Unsere Radtour von Dresden nach Prag – Teil 2/2

Nach einem sehr guten Frühstücksbuffet im hoteleigenen Restaurant verließen M und ich um 11:30 Uhr die Stadt Děčín, um mit den Bikes in das circa achtzig Kilometer entfernte Štětí, zu deutsch Wegstädtl, zu fahren. In dieser Stadt befand sich unsere Unterkunft für die Nacht. Bei Sonnenschein und durchschnittlich 32 Grad Celsius fuhren wir teils Holper- und Feldwege, teils Landstraße. Bei letzterer war außer uns jedoch so gut wie kein anderer Verkehrsteilnehmer unterwegs.

Da wir wieder unser allmorgendliches Start-Foto schießen wollten, hielten wir bereits nach wenigen Kilometern an. Eine richtig passende Stelle konnten wir dieses Mal leider nicht finden. Wir entschieden uns deshalb, direkt auf dem Radweg stehen zu bleiben. Die Aussicht auf ein dahinter befindliches Dorf hatte M und mich angesprochen. Es gab zur Motivation wieder einen Guter Start-Saft, sodass den ersten zwanzig Kilometern unserer Tagestour nichts mehr im Wege stehen konnte.

Unsere erste Pause machten wir in Ústí nad Labem, zu deutsch Aussig an der Elbe. Es handelt sich um die achtgrößte Stadt Tschechiens. Wir fanden schnell einen kleinen Lebensmittelladen und deckten uns mit Riegeln, einer neuen Wasserflasche sowie zwei Büchsen Mangosaft ein. Wir ließen uns anschließend für etwa eine halbe Stunde bei einem zum Bungalow-Dorf gehörenden Imbiss mit kleinem Schwimmbecken kurz vor dem Ortsausgang Ústí nieder. M und ich teilten uns eine Portion Pommes mit Ketchup und aßen jeder noch ein Eis. Kurz vor unserem Aufbruch spielten M und ich mit den im Schwimmbecken befindlichen Wasserbällen und verschafften uns so noch ein wenig Abkühlung 😀

Etwa 24 Kilometer später machten wir Rast in Litoměřice, hierzulande bekannt als Leitmeritz. Diese Stadt liegt südlich des Böhmischen Mittelgebirges am rechten Elbufer und zählt knapp über 24 000 Einwohner. Es war bereits kurz nach halb vier und M und ich waren hungrig. Wir fuhren etwas bergauf in das Stadtinnere und fanden eine Art Marktplatz mit unzähligen Restaurants. Wir ließen uns in einem Burger-Restaurant nieder und stellten überrascht fest, dass sogar ein vegetarischer Burger mit Pommes im Angebot war. Gestärkt und zufrieden verließen wir das hübsche Städtchen und machten uns auf den Weg nach Roudnice nad Labem, zu deutsch Raudnitz an der Elbe.

Da wir nun wieder 25 Kilometer hinter uns gelassen hatten und sichtlich erschöpft waren, machten M und ich noch einmal kurz Pause und tranken die zuvor in Ústí gekauften Büchsen Mango-Saft. Wir saßen eine Weile auf einer Bank direkt an einer stark befahrenen Kreuzung und beobachteten die Leute. Motiviert, nur noch acht Kilometer bis Štětí vor uns zu haben, der Stadt, bei der sich unsere Unterkunft für die Nacht befand, machten wir uns wieder entlang der Elbe auf den Weg.

Vom Ortseingang Wegstädtl bis zu unserer Unterkunft war es glücklicherweise nur noch ein Kilometer zu fahren. Kurz vor acht Uhr abends erreichten wir das Hotel, in welchem sich auch ein Restaurant befand. Das Zimmer war angemessen groß und wir genossen nach dieser anstrengenden Tour bei der Hitze eine kalte Dusche. Wir schlüpften wieder in unsere normalen Sommersachen und begaben uns runter ins Restaurant. In Děčín hatte es bereits wunderbar geklappt und der Kellner dort wusste, dass ein Colabier auch Diesel heißt. Ich dachte mir also, ich bestelle wieder ein Diesel. Die Kellnerin schien mich nicht zu verstehen, weshalb ich wieder Colabier sagte. Gebracht wurde mir letztendlich eine Cola und ein Bier 😀 Das stellte natürlich absolut kein Problem dar, mixte ich mir beide Getränke einfach zu einem Diesel zusammen. M und ich aßen jeder eine Portion Nudeln mit Bärlauchpesto sowie einen Nachtisch und tranken zwei Getränke. Wir zahlten wieder nur um die 15 € für alles zusammen.

Auch in Štětí war das Frühstücksbuffet zu unserer Zufriedenheit und wir konnten uns für die anstehenden letzten siebzig Kilometer bis Prag satt essen. Natürlich begleitete uns heute auch wieder die Sonne, allerdings kamen schon die ersten Wolken und leichter Nieselregen für wenige Minuten zum Vorschein. Dreißig Grad hatten wir trotzdem. Halb elf ging unsere Fahrt los.

Gleich auf den ersten Kilometern, die entlang der Elbe führten, begleitete uns ein Jetski, der einen Mann auf Wasserskiern hinter sich herzog. Der Mann hatte sichtlich Spaß. Auch uns machte das Zusehen große Freude. Wir hielten kurz an, tranken wieder unseren Guter Start-Saft und fuhren noch eine Weile neben dem Jetski her.

Wir fuhren bis Mělník, einem circa dreißig Kilometer vor Prag gelegenen Städtchen, an dem Elbe und Moldau zusammenfließen. Hier endete unser Elberadweg und M und ich wechselten auf den Moldauradweg. Der Elberadweg war von Dresden bis nach Mělník wirklich einwandfrei ausgeschildert, sodass wir die Kilometer ohne Probleme nur so schrubben konnten. Leider änderte sich das auf dem Moldauradweg. Es gab natürlich eine Beschilderung, allerdings mussten M und ich an mehr als nur einer Stelle wirklich ausgiebig nach dem Weg suchen und waren uns ab und an nicht sicher, überhaupt noch richtig zu sein.

Etwa zwanzig Kilometer vor Prag teilte sich plötzlich der Weg. Im Nachhinein stellten wir fest, dass wir uns für den anstrengenderen entschieden hatten. Wären wir geradeaus weiter gefahren, hätten wir nicht nur Kilometer und Zeit sparen können, sondern auch unsere Kräfte. Wir entschieden uns aber für den linken Weg, der etwa drei (!) Kilometer nur bergauf führte, und zwar so steil, dass es nach einer Weile einfach nicht mehr zu fahren ging. Da sich mein rechtes Knie wieder leicht bemerkbar machte und meine Gangschaltung nur begrenzt zur Verfügung stand, schob ich leicht frustriert mein Rad den endlosen Berg hinauf. Schnell war dies aber vergessen, als eine etwa drei Kilometer rasante Abfahrt hinunter zur anderen Seite des Bergs auf M und mich wartete 😉

Wir kamen abends um sieben in Prag an, checkten in unserem Hotel ein und machten uns nach einer verdienten Dusche auf den Weg in die Innenstadt. Zu unserer großen Freude fanden wir sogar ein veganes Restaurant. Unser einziges Problem bestand darin, uns ein Gericht aus der seitenlangen, super lecker klingenden Speisekarte auszusuchen 😉 Da wir bisher kein Geld umgetauscht hatten, holten wir dies nach dem Essen bei einer an jeder Straßenecke befindlichen Wechselstube nach. Die Gebühr hierfür war unverschämt hoch und M und ich ärgerten uns kurz darauf umso mehr, als wir eine kostenlose Umtauschmöglichkeit entdeckten. Wir tranken noch ein Bier in einem Irish Pub und suchten uns anschließend eine Location, die noch nicht so überlaufen war. Doch auch an diesem Ort konnten wir unser Getränk nicht in Ruhe genießen, da neben lautstark grölenden britischen und deutschen Touristen plötzlich zig Motorräder immer wieder ihre Runden drehten.

Am Sonntag stand eine Stadtbesichtigung auf dem Programm und M und ich entschieden uns für einen Hop on Hop off-Bus. Bei dieser Variante kann an jeder beliebigen Haltestelle aus- und später wieder in den nächsten Bus eingestiegen werden. Wie sinnlos diese Entscheidung war – in Prag sind sämtliche Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichbar – merkten wir, als in unserem Bus die Klimaanlage bei über dreißig Grad Außentemperatur nicht funktionierte. Wir fuhren also zunächst in einem Backofen umher und hörten uns den gelangweilt vorgelesenen deutschen Text zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten an. Als es uns zu heiß wurde, stiegen wir aus und liefen die einzelnen Stationen zu Fuß ab.

In unserem Hop on Hop off-Ticket mit inbegriffen war eine einstündige Schifffahrt, die wirklich viel Spaß machte und bei der wir bei Kaffee und einem leckeren Zwischenimbiss noch einiges von Prag sehen konnten.

Am frühen Abend holten wir unsere Fahrräder wieder ab, die wir trotz der Tatsache, bereits im Hotel ausgecheckt zu haben, den Tag über dort stehen lassen durften. M und ich machten uns auf den Weg zum Hauptbahnhof und stellten fest, dass die Gleise anders als in Deutschland erst zwanzig Minuten vor Abfahrt bekannt gegeben werden. Die knapp zweistündige Zugfahrt bis nach Dresden verlief ohne besondere Vorkommnisse. Leider ließ sich im Abteil kein Fenster öffnen. Klimaanlagen gab es auch nicht. Auf der Rückfahrt regnete es die ganze Zeit in Strömen und M und mir wurde bewusst, was für ein unglaublich großes Glück wir bei unserer Radtour mit dem Wetter hatten.

In Dresden angekommen, radelten wir die wenigen Kilometer bis zu unserem Hotel. Wegen eines Kreditkartenlesefehlers erhielten wir erneut ein Upgrade und fanden uns nun in einem Komfortzimmer mit super schönem Ausblick auf die Dresdner Altstadt wieder 😀 Wir bestellten uns das Abendessen aufs Zimmer. Weder M noch ich hatten sowas jemals zuvor gemacht, weshalb wir beide davon ausgingen, dass die Kosten hierfür auf die Hotelrechnung gesetzt werden. Schnell wurden wir aber eines Besseren belehrt, als der Lieferant bezahlt werden wollte. M und ich sind nach dem Duschen nur in Bademäntel geschlüpft und hatten unsere Portemonnaies nicht griffbereit. Wir wühlten hektisch unsere Taschen durch, bemerkten aus dem Augenwinkel, dass der Hotelangestellte vor Verlegenheit nicht wusste, wohin er gucken sollte, konnten unsere Bestellung aber nach einigen Minuten bezahlen. Nach dem Essen gingen wir runter in die Hotelbar und ließen den letzten Abend bei einem Glas Rotwein ausklingen.

Wieder in Erfurt angekommen, musste ich feststellen, dass eine weitere Flasche mit Zitronenlimonade in meinen Fahrradtaschen ausgelaufen war.

Diese Radtour war einfach fantastisch <3 Es hat vom Wetter, den Unterkünften, dem Essen und der Stadtbesichtigung alles gepasst und viel Freude gemacht. Ich hoffe sehr, dass M und ich das irgendwann wiederholen werden.

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